Wissen & Info
Hier finden Sie Aktuelles zum Thema der kognitiven Beeinträchtigung aus Österreich, Europa und der ganzen Welt
Was die Menopause mit dem Gehirn macht
Studien zeigen: In der Menopause verändern sich Gehirnstruktur und Gedächtnisarbeit. Viele Frauen berichten über „Brain Fog“ – Vergesslichkeit, Konzentrationsprobleme und mentale Unschärfe –, und Forschende finden Hinweise auf kleinere Gehirnareale und weniger Durchblutung in Regionen, die für Gedächtnis und Denken wichtig sind. Forschende untersuchen, wie stark diese Veränderungen durch hormonelle Umstellungen oder normales Altern bedingt sind und ob sie nach der Menopause wieder rückgängig gemacht werden können. Trotzdem gilt: Häufige Gedächtnisprobleme in der Menopause sind nicht automatisch ein Zeichen für Demenz. (Artikel auf englisch)
Rehabilitation bei Demenz: Mehr als ein bisschen Bewegung
Rehabilitation bei Demenz ist mehr als Bewegung – sie ist ein Menschenrecht. Ein neuer Ansatz zeigt, wie gezielte, alltagsnahe Therapie Selbstständigkeit, Teilhabe und Lebensqualität von Menschen mit Demenz bis zuletzt stärken kann – und zugleich Angehörige entlastet.
Kampf gegen das Vergessen
Mit nur 39 Jahren erhält die Kanadierin Sandra Demontigny die Diagnose Alzheimer. Um ihren Angehörigen schweres Leiden zu ersparen, kämpft sie für das Recht auf Selbstbestimmung – und wird zur Schlüsselfigur einer Gesetzesänderung in Québec, die Sterbehilfe per Vorausverfügung erlaubt. Ihr Satz bringt die Dringlichkeit auf den Punkt:
„Bei Alzheimer gibt es kein Einmal. Einmal ist der Anfang von immer.“
„Bei Alzheimer gibt es kein Einmal. Einmal ist der Anfang von immer.“
Newsletter November 2025
In dieser Ausgabe werfen wir einen Blick auf die wichtigsten Erkenntnisse der Alzheimer Europe Konferenz, aktuelle Forschung und bewegende Perspektiven von Betroffenen und Angehörigen. Außerdem berichten wir über Vernetzungstreffen, neue Projekte und Entwicklungen.
Neue Alzheimer-Therapien: Fortschritt mit vielen offenen Fragen
Moderne Antikörper sollen das Fortschreiten verlangsamen. Doch sie eignen sich nur für wenige Betroffene und bringen erhebliche Nebenwirkungen und Kosten mit sich. Wir fassen die wichtigsten Fakten verständlich zusammen.
Vier Wendepunkte: Wie sich unser Gehirn im Leben umbaut
Unser Gehirn durchläuft vier große Umbauphasen – mit 9, 32, 66 und 83 Jahren. Erst in den frühen Dreißigern wird es „erwachsen“. Eine Studie mit 3.800 Scans zeigt, wie sich Denken, Lernen und Altern in diesen Epochen verändern.
Warum Alzheimer-Patienten ihre Familien und Freunde nicht mehr erkennen
Warum erkennen Alzheimer-Betroffene ihre Liebsten nicht mehr? Neue Forschung zeigt, dass ein kleines Nervennetzwerk im Gehirn früh zerfällt und damit soziale Erinnerungen verschwinden. Erste Ansätze könnten diesen Prozess künftig verlangsamen.
24-Stunden-Pflege: Agenturen wollen bei Reform mitreden
Gesundheitsministerin Korinna Schumann (SPÖ) will ab Februar die Qualitätssicherung in der 24-Stunden-Betreuung starten.
Die Agenturen begrüßen die Reform, fordern aber Einbindung in den Prozess und eine Erhöhung der Förderung (derzeit max. 800 €).
Ziel ist einheitliche Qualität und regelmäßige Pflegebesuche bei betreuten Personen.
Die Agenturen begrüßen die Reform, fordern aber Einbindung in den Prozess und eine Erhöhung der Förderung (derzeit max. 800 €).
Ziel ist einheitliche Qualität und regelmäßige Pflegebesuche bei betreuten Personen.
Ich verliere Worte, aber nicht meine Stimme
Raimund Oberschmid lebt mit einer seltenen Form der Frontotemporalen Demenz. Schritt für Schritt verliert er Wörter – aber nicht seine Stimme. Gemeinsam mit seiner Frau setzt er sich dafür ein, dass Menschen mit Demenz gehört werden und über ihr Leben selbst bestimmen können. Offen, humorvoll und mutig zeigt das Paar, dass ein gutes Leben mit Demenz möglich ist – wenn Verständnis und Akzeptanz wachsen.
Ein Blogartikel von Marianne Buchegger.
Ein Blogartikel von Marianne Buchegger.
Neue Alzheimer-Therapie im Rudolfinerhaus gestartet
Im Wiener Rudolfinerhaus wurde erstmals in Österreich die neue Infusionstherapie mit Donanemab (Kisunla) zur Behandlung von Alzheimer im Frühstadium durchgeführt. Die Substanz kann das Fortschreiten der Erkrankung nachweislich verlangsamen und gilt als wichtiger Schritt in der Demenztherapie.
Die Behandlung erfolgt im Memory Center des Rudolfinerhauses nach sorgfältiger Diagnostik und wird regelmäßig kontrolliert. Für österreichische Patient:innen sind derzeit Voruntersuchungen möglich.
Die Behandlung erfolgt im Memory Center des Rudolfinerhauses nach sorgfältiger Diagnostik und wird regelmäßig kontrolliert. Für österreichische Patient:innen sind derzeit Voruntersuchungen möglich.
Bewegung verlangsamt Alzheimer
Eine US-Langzeitstudie zeigt: Bereits 5.000 Schritte täglich können das Fortschreiten von Alzheimer deutlich verlangsamen. Regelmäßige Bewegung senkt laut Forschenden die Ablagerung des Proteins Tau im Gehirn – einem zentralen Krankheitsmarker. Schon moderates Gehen kann helfen, den kognitiven Abbau um mehrere Jahre hinauszuzögern.
Ruf nach mehr Kontrollen in der 24-Stunden-Betreuung
Immer lauter wird die Forderung nach strengeren Qualitätskontrollen und mehr Transparenz bei der 24-Stunden-Betreuung. Nur ein Bruchteil der Agenturen trägt derzeit das ÖQZ-24-Qualitätssiegel – zu wenig, sagen Expert:innen. Neben verbindlichen Standards stehen auch faire Preise und bessere Absicherung für Betreuungskräfte im Fokus.
27. Oktober 2025
ORF
Pflegekräfte als Schwerarbeiter*innen anerkannt
Ab 2026 werden Pflegeberufe in die Schwerarbeiterregelung aufgenommen – ein wichtiger Schritt zur Anerkennung der körperlich und psychisch belastenden Arbeit in der Pflege. Doch reicht das aus? Wir beleuchten, was die Änderung konkret bedeutet und welche Fragen für Pflegekräfte noch offen bleiben.
Gehirnerschütterungen: Oft übersehen, oft unterschätzt
Gehirnerschütterungen gehören zu den häufigsten Verletzungen bei Kindern, Jugendlichen und Sportler*innen – bleiben aber in bis zu 80 % der Fälle unerkannt. Das Projekt „Brain Crash“ klärt darüber auf, wie man Symptome wie Kopfschmerzen oder Schwindel erkennt und richtig reagiert. Wer eine Gehirnerschütterung ignoriert, riskiert langfristige Folgen. Wissenschaftlich gilt: Wiederholte Kopfverletzungen können das Risiko für Demenz im späteren Leben erhöhen.
Demenz: Welcher letzte Wille zählt?
Der Artikel beleuchtet den Konflikt zwischen dem früher festgelegten Willen (z. B. in einer Patienten- oder Demenzverfügung) und dem späteren Verhalten eines Menschen im dementen Zustand. Soll der alte, klar formulierte Wunsch gelten – oder das aktuelle Wohlbefinden? Ethikerin Bettina Schöne-Seifert plädiert dafür, dem früheren, selbstbestimmten Willen Vorrang zu geben – sofern er eindeutig dokumentiert ist. Andere Organisationen wie die Deutsche Alzheimer Gesellschaft sehen das kritischer und betonen den aktuellen Lebenswillen. Fazit: Wer vorsorgen will, sollte den Demenzfall in einer Verfügung möglichst konkret regeln.
Demenz & Pflege – persönliche Reportage
Autorin Eva-Lena Lörzer begleitet ihren demenzkranken Vater: ein eindringlicher Einblick in Überforderung von Angehörigen, Versorgungslücken, Sterbewunsch und die Suche nach würdevollen Lösungen (Tagespflege, Demenz-WG). Ein Plädoyer für Entstigmatisierung und bessere Pflegebedingungen.
Kriminelles Verhalten bei Demenz
Eine Meta-Analyse (236.360 Personen) zeigt: Kriminell-riskantes Verhalten tritt besonders häufig bei frontotemporaler Demenz (bvFTD, svPPA) auf, deutlich seltener bei Alzheimer und Parkinson. Auffälligkeiten sind vor der Diagnose häufiger und nehmen danach ab. Männer sind überrepräsentiert. Erstauffälligkeit im mittleren Alter kann ein Frühzeichen für Demenz sein – frühe Abklärung ist wichtig.
Unsichtbare Trauer bei Demenz
Auch wenn ein geliebter Mensch mit Demenz noch lebt, erleben Angehörige oft Trauer – leise, kaum sichtbar und doch tief. In dieser Podcastfolge spricht Peggy Elfmann mit Trauerbegleiterin Anja Schmidt-Ott darüber, wie sich diese weiße Trauer zeigt und was hilft, mit ihr umzugehen.
Räume, die verbinden
Im Blogartikel von Marianne Buchegger wird gezeigt, wie demenzsensible Architektur im WOAL-Haus (Wohnen ohne Alterslimit) Teilhabe, Orientierung und Gemeinschaft ermöglicht. Durch offene Grundrisse, klare Wegeführung und achtsame Gestaltung entstehen Räume, die Sicherheit und Nähe schaffen – für Menschen mit Demenz und ihre Umgebung.
Studie: Bildung hält auch spät im Leben geistig fit
Ein Beitrag im Ö1 Mittagsjournal.
Neue Sicherheitsvorgaben für Alzheimer-Medikament Lecanemab (Leqembi)
Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) hat die Bildgebungsrichtlinien für die Therapie mit Lecanemab erweitert: Zusätzlich zu den bisherigen MRT-Kontrollen vor der 5., 7. und 14. Infusion ist nun auch eine MRT vor der 3. Infusion verpflichtend.
Grund dafür sind internationale Berichte über frühe und teils schwere ARIA-Nebenwirkungen (Hirnschwellungen oder Mikroblutungen), die auch tödlich verlaufen konnten.
Ziel der engeren Überwachung ist es, solche Veränderungen frühzeitig zu erkennen und Komplikationen zu vermeiden.
Ärztinnen und Ärzte sollen die MRT jeweils eine Woche vor der nächsten Infusion durchführen und auswerten, bevor die Behandlung fortgesetzt wird. Bei Auffälligkeiten kann die Therapie unterbrochen oder abgebrochen werden.
Grund dafür sind internationale Berichte über frühe und teils schwere ARIA-Nebenwirkungen (Hirnschwellungen oder Mikroblutungen), die auch tödlich verlaufen konnten.
Ziel der engeren Überwachung ist es, solche Veränderungen frühzeitig zu erkennen und Komplikationen zu vermeiden.
Ärztinnen und Ärzte sollen die MRT jeweils eine Woche vor der nächsten Infusion durchführen und auswerten, bevor die Behandlung fortgesetzt wird. Bei Auffälligkeiten kann die Therapie unterbrochen oder abgebrochen werden.
UN erkennen Demenz erstmals offiziell an
Am 25. September haben die Vereinten Nationen einen historischen Schritt gesetzt: Demenz wird erstmals in der Politischen Erklärung zu nichtübertragbaren Krankheiten (NCDs) und psychischer Gesundheit anerkannt.
Nach zwei Jahren intensiver Arbeit von Alzheimer’s Disease International (ADI) ist Demenz nun als globale Gesundheitspriorität anerkannt – ein Meilenstein, da sie bis 2040 voraussichtlich die dritthäufigste Todesursache weltweit sein wird.
Nach zwei Jahren intensiver Arbeit von Alzheimer’s Disease International (ADI) ist Demenz nun als globale Gesundheitspriorität anerkannt – ein Meilenstein, da sie bis 2040 voraussichtlich die dritthäufigste Todesursache weltweit sein wird.
Befragung zur Belastung pflegender Angehöriger von Menschen mit Demenz
Das Institut für Pflegewissenschaft der UMIT TIROL führt im Rahmen der Europäischen COST Action EDEM (CA21137) eine österreichweite Befragung durch. Ziel ist es, die Situation und Unterstützungsangebote für pflegende Angehörige von Menschen mit Demenz zu verbessern.
Gesucht werden Angehörige, die:
- über 18 Jahre alt sind und in Österreich leben
- seit mindestens 6 Monaten ein Familienmitglied oder eine nahestehende
- Person mit Demenz betreuen oder pflegen
- diese Tätigkeit unbezahlt leisten
Die Online-Befragung dauert ca. 20 Minuten.
Bei Fragen wenden Sie sich bitte an die Projektleiterin Dr. Nertila Podgorica (Nertila.Podgorica@umit-tirol.at)
Gesucht werden Angehörige, die:
- über 18 Jahre alt sind und in Österreich leben
- seit mindestens 6 Monaten ein Familienmitglied oder eine nahestehende
- Person mit Demenz betreuen oder pflegen
- diese Tätigkeit unbezahlt leisten
Die Online-Befragung dauert ca. 20 Minuten.
Bei Fragen wenden Sie sich bitte an die Projektleiterin Dr. Nertila Podgorica (Nertila.Podgorica@umit-tirol.at)
Demenzdiagnostik im Wandel
Von Kurztests über moderne Bildgebung bis zu Blutmarkern und KI: Die Früherkennung von Demenz wird immer präziser – und bald auch einfacher im Alltag.